Deutsche Exportempfänger
 

			

In den 1950er Jahren exportierte die deutsche Radioindustrie einen Großteil ihrer Erzeugnisse. Heute ist davon wenig bekannt. Im folgenden Text versuchen wir ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen.

Der Übersee Export liegt im Jahr 1950 brach. Quasi vom Nullpunkt an wird gestartet. Sehr interessant dazu ist Quelle 1), das Vorwort der Funkschau 3/1950, da sie einen guten Überblick über die damalige Radioindustrie Argentiniens gibt, die sehr von restriktiver Importpolitik geprägt ist. H. Steinmeyer aus Buenos Aires gibt das Land als gutes Exportziel für die deutsche Industrie an. (1)

5 Jahre bleibt es recht ruhig in der Funkschau was den Export angeht. Laut Heft 8/1955 haben als Export im Prinzip nur Ausfuhren nach Übersee zu gelten. Exporte nach Europa sind leicht abgewandelte deutsche Radiogeräte. Die Herren Fischer und Schmitz berichten über die Exportgeräte der Graetz KG. Recht ausführlich wird der Graetz 266BE (Bild rechts) beschrieben, der von unserem Mitglied Jens Dehne unter http://www.graetz-radio.de/export.htm gut dokumentiert ist. Weiter werden in diesem Artikel die Angaben zur Empfängerempfindlichkeit und Trennschärfe, die sich sehr von den europäischen Verhältnissen unterscheiden, beschrieben. (2)

Der nächste Bericht findet sich dann im Heft 11/1955 in einem Bericht von Karl Tetzner über die Hannover Messe. Viele deutsche Hersteller waren hier vertreten um ihre Produkte der breiten Weltöffentlichkeit vorzuführen und zu verkaufen. Bei einigen deutschen Herstellern beträgt der Anteil der Exportproduktion laut Funkschau bis zu 70%. An Geräten sind u.a. der Grundig 80, der auch hierzulande bekannt ist, und weitere Geräte von Graetz, Loewe, Kaiser (Doppelsuper 1151W / 1156W), Merkur Radio, AWB, ... beschrieben. Über die Exportempfänger von Saba wird in einem eigenen Artikel in FS 1955 Heft 8 berichtet. Insgesamt erwartet die Industrie 1 Million Empfänger zu exportieren, was 40% der Gesamtfertigung entspricht.
Sehr interessant ist auch, dass Karl Tetzner auf die Fernseh-Exporte eingeht. Er beschreibt die deutschen Geräte als in Europa konkurrenzlos und dass einige Länder, wie. z.B. Belgien, Exportbeschränkungen eingeführt hätten um die inländische Industrie zu schützen. (3)

In Heft 9/1957 ist dann wieder die Hannovermesse Anlass für einen kurzen Artikel über die Exportempfänger. Es wird von einem Export von 1,56 Millionen Geräten berichtet. Insbesondere wird über die Graetz Geräte, darunter vor allem den Luxus(Export)super 270WET, berichtet. [Anm.: Bedeutet E Export und T Tropen(band)?]. Jens Dehne hat das Gerät wieder auf seinen Seiten dokumentiert. (4)

1958 berichtet Karl Tetzner in Heft 11 dann wieder von den Neuheiten der Hannovermesse. Viel neues sei dort nicht zu erwarten, da diese erst am Neuheitentermin, dem 1. Juli vorgestellt würden. Trotzdem gibt er einen kurzen Überblick über die gezeigten Geräten. Vor allem Graetz, mit seinen bisher 13 Geräte umfassenden Exportprogramm, das um 4 Empfänger und zwei Truhen erweitert wird, steht wieder im Mittelpunkt des Artikels. Ein Gerät, der 283BWET erwähnt er besonders aufgrund der automatischen und lautlosen Umschaltung zwischen Netz und Batteriebetrieb. Graetz exportiere 48% seiner gesamten Produktion. (5)

Ein letzter Artikel in den Heften der 50er Jahre bildet das Vorwort der Funkschau 7/1959. Wieder schreibt Karl Tetzner, dieses mal sehr mahnend, an die deutsche Industrie. Die Empfängerausfuhren der etwa 18 exportierenden Hersteller in die USA sind von Januar 1958 bs Juni 1958 von 5,4 Millionen DM auf 2,7 Millionen DM im Juni 1958 zurückgegangen, was vor allem auf das komplette Verschlafen der Stereophonie durch die deutsche Industrie zurückzuführen sei. Weiterhin führt er aus, dass Japan billige Taschenempfänger in Millionenstürkzahl nach Amerika verkauft und er deutet an, dass die deutsche Industrie gegen diese günstigen Preise nicht ankämpfen kann. (6)

Das ist jetzt nur eine kurze Zusammenfassung der Artikel, die im Laufe der 1950er Jahre in der Funskchau veröffentlicht wurden. Ich möchte ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es ist gut möglich, dass ich den einen oder anderen Artikel übersehen habe. Sehr wichtig wäre auch eine Durchsicht der anderen Zeitschriften, wie dem Radio-Mentor oder dem Radio Magazin. Weiterhin wären die Zahlen zu recherchieren, hier müssten Wirtschaftsblätter und Firmenchroniken angezapft werden. Ich bitte ausdrücklich um weitere Beiträge und Hinweise zu diesem bisher fast unbearbeiteten Thema. Auch sind nur wenige der deutschen Exportempfänger der Nachwelt dokumentiert, hier bei uns sind sie nur durch große Zufälle zu finden.

Wer mehr Informationen hat ist herzlich eingeladen darüber in unserem Forum zu berichten. (DB)





Quellen Funkschau:
1.)
Argentiniens Wirtschaft und deutscher Radio - Export 50/3/39
2.) Rundfunkgeräte-Export 55/8/157
3.) Hannover als Exportzentrum der Rundfunk- und Fernsehindustrie 55/11/216
4.) Export-Rundfunkempfänger 57/9/242
5.) Saba-Exportempfänger UW 285 ZL 58/9/239
6.) Export-Rundfunkempfänger, neue 58/11/280
7.) Export und Technik 59/7/143

Graetz Exportempfänger
DB, 15.01.2014